Feuerwehr

Feuerwehr in Tönning wird aufgelöst

„Bei wem von Ihnen hat es schon einmal gebrannt?“

(dfa) Die jährlichen Kosten für die Unterhaltung der Feuerwehren in Nordfriesland sind vom Kreis und den Kommunen nicht mehr zu tragen. Die jährlichen Millionendefizite sind bei der angespannten Kassenlage nicht mehr zu vertreten. Hier ist dringender Handlungsbedarf, sonst droht allen Feuerwehren die Insolvenz.

Die Feuerwehrbedarfspläne müssen dringend überarbeitet werden. In Schleswig-Holstein gilt eine Hilfsfrist von zehn Minuten nach Annahme des Notrufs in der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle. Für die Gesprächs- und Dispositionszeit werden zwei Minuten angenommen. Somit bleiben acht Minuten für die Ausrücke- und Anfahrtszeit der Feuerwehr zur Einsatzstelle. Das entspricht einem Radius von ca. 3 Kilometern. Würde die Zeitspanne auf 13 Minuten erhöht werden, hätte man einen Radius von 7 Kilometern und könnte die Hälfte der Feuerwehren einsparen.

Die Brandeinsätze sind nur der kleinere Teil der Ausrückungen der ca. 26 Feuerwehren in Nordfriesland. Das Risiko würde sich also nur minimal erhöhen. Schon jetzt sind manche Brände nicht zu löschen, ein kontrolliertes Herunterbrennen verhindert aber ein Übergreifen der Flammen auf umliegende Gebäude. Die restlichen Einsätze betreffen Katzen in Bäumen, vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume oder technische Hilfsleistungen.

Die letzte Kreistagssitzung ergab folgendes Bild:

In einem ersten Schritt wird die Tönninger Feuerwehr aufgelöst. Das sei nötig, um die Standorte Husum und Niebüll zu retten. Der Standort Niebüll müsse bleiben, sonst käme es zu Ausrückezeiten von 65 Minuten, das sei nicht akzeptabel. Eine Verlängerung von 13 Minuten sei aber zu vertreten.

„Bleibt die Struktur wie sie ist, wird die Liquidität Ende 2017 aufgebraucht sein“, lässt die SPD verlautbaren. „Das hätte eine Kettenreaktion zur Folge, weitere Feuerwehren würden in die Insolvenz getrieben.“

Protest kam von den Campingplatzbetreibern auf Eiderstedt. „Bei tausenden Gästen jährlich, ist eine solche Sicherheitslücke nicht hinnehmbar! Das wird den Standort aus touristischer Sicht erheblich schwächen.“

Die Notfallversorgung müsse natürlich gewährleistet sein, so sei geplant an neuralgischen Punkten, z.B. auf Campingplätzen und in Schulen, Feuerlöscher anzubringen.

Dazu möchte man mit den Worten des SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Ilgen sagen: „Die Alternative zur Schließung Tönnings wäre die Insolvenz und die anschließende Filettierung der gesamten Feuerwehr Nordfrieslands. Die Notfallversorgung muss natürlich gewährleistet sein. Aber schwere Brände gibt es sowieso nicht in Tönning. Und fragen Sie sich selbst: Bei wem von Ihnen hat es schon einmal gebrannt?“

Es ist gut, wenn man kluge Politiker hat.

woc

Nachtrag 13.03.2016 16:41 Uhr: Im Zuge der Schließung des Tönninger Klinikums werden an den neuralgischen Punkten ebenfalls Erste Hilfe-Kästen angebracht. Stellen, die von vielen Senioren aufgesucht werden, erhalten zusätzlich einen Defibrillator.

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