Die Garnele beschäftigt Europa. peb

EU will Pfand auf Krabbenschalen einführen

(dfa) Die neuesten Pläne der EU stoßen schon in den ersten Überlegungen auf massive Kritik der Fischwirtschaft, Gastronomie sowie bei den ersten Verbrauchern. Ein Krabbenfischer aus Nordfriesland, der ungenannt bleiben möchte, schimpft bereits auf den Vorstoß des Europa-Rates: „Wir hatten eh schon ein schwieriges Jahr“ und verweist auf eine Pressemitteilung vom Verband der deutschen Kutter- und Küstenfischer e.V., die im November 2015 auf eine schwierige Herbstsaison für Nordseekrabbenfischer hinwies. 

„Nur wegen gesenkter Dieselkosten und stabiler Preise am Markt, konnten wir gerade noch mit einem blauen Auge davonkommen. Wenn die Pläne der EU nun wahr werden sollen, dann nur, wenn man uns dafür entsprechenden Ausgleich schafft.“

Aber worum geht es nun konkret? In Deutschland gibt es etwas mehr als 200 Krabbenkutter. Diese fangen durchschnittlich 12.000 bis 14.000 Tonnen Nordseekrabben im Jahr. Wer selbst einmal Krabben gepult hat, weiß, dass nur ein Bruchteil der Krabben wirkliches Krabbenfleisch ist. Zurück bleiben viele Tonnen Krabbenschalen. Diese gilt es zu entsorgen. Genau wie bei Getränkedosen und Glas- und Plastikflaschen soll es nun für den Verbraucher die Möglichkeit geben, einen Teil der entstandenen Kosten durch das Pfandsystem wieder hereinzuholen. Dadurch werde ein Anreiz geschaffen, ungepulte Krabben zu kaufen und nicht die Packungen mit fertigem Krabbenfleisch, etwa vom Discounter, wo die Krabben den weiten Transportweg zum Pulen von Tunesien, Marokko oder Polen hinter sich haben. Gerade Deutschland möchte hier in Sachen Energieeinsparung auch in diesem Bereich Vorreiter werden und konnte weitere europäische Nordseeanrainerstaaten für diese Maßnahme gewinnen.

Der Verbraucher soll in Zukunft also die Krabbenschalen an Sammelstellen abgeben können. Hier bieten sich die Häfen an. Die Krabbenfischer könnten die Schalen entgegennehmen und dann in der Nordsee entsorgen, wo sie anderen Meerestieren wieder als Nahrung und dem Meeresboden als Nährstoff dienen. Der Verbraucher bekommt einen Gutscheinbon ausgehändigt, den dieser bei dem nächsten Krabbeneinkauf vorlegen kann. Die Fischer sehen hier Mehrarbeit auf sich zukommen.

„Wir können nicht in den Häfen extra Leute hinsetzen, die für die Annahme der Schalen zuständig sind. Wir müssen ja fischen. Wer bezahlt das denn?“, beklagt sich der Krabbenfischer bereits jetzt. Die Gastronomie ist ebenfalls nicht glücklich über die zu erwartende Wendung. Aus so manch Kilo Krabbenschalen wurde Krabbensuppe gekocht. Eine gängige Praxis, wie ein Koch aus Husum bestätigt. „Wenn wir das also weitermachen, entgeht uns das Pfandgeld, das wir bei Rückgabe kassieren würden. Wir empfinden das als absolute Ungleichbehandlung.“

Was sagt nun der Verbraucher dazu? Denjenigen, die das Gold der Meere nicht mögen, ist der Vorstoß egal. Andere sagen allerdings: „Haben die vom Europaparlament eigentlich keine anderen Sorgen?“ Aber wer Größe von Orangen vorgibt, die Krümmung von Bananen oder die Länge von Salatgurken, der kümmert sich eben auch um Krabbenschalen.

peb

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