Psychologischer Dienst

wocDa uns immer wieder Zuschriften erreichen, in denen unsere verehrten Leser und Leserinnen sich beklagen, dass sie unsere Beiträge nicht verstehen, haben wir einen psychologischen Dienst eingerichtet. Zu unserer großen Freude hat sich Frau Prof. Dr. Dr. Emelie Beauté dafür zur Verfügung gestellt. Zu erreichen ist sie unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ernsthaft vorgetragene Fragen werden oft gewissenhaft und nachhaltig beantwortet. Bitte haben Sie Verständnis, dass unsinnige Anfragen nur in Ausnahmefällen beachtet werden.

Sie sehen, wir kümmern uns um Ihre Anliegen. Wir mögen Sie.

Ihre Redaktion Der Farisäer

PS. Anfragen zu Verabredungen nimmt sie nicht an. Versuchen Sie es erst gar nicht!


 

Ich lese, also glaube ich...

"Cogito ergo sum" (Ich denke, also bin ich) ist der erste Grundsatz des Philosophen René Descartes.
Der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaflter (1596-1650) war ein Zweifler seiner eigenen Erkenntnisfähigkeit.
Nun, der kannte aber auch Facebook und andere soziale Netzwerke noch nicht.

Heute würde sein Satz vielleicht lauten: "Ich lese, also glaube ich". Irgendwann zwischen ihm, der Erfindung der Poesiealben, des Schönschreibunterrichts und der Herausgabe von Bild-Zeitung, Yellow Press und Internet muss der Mensch falsch abgebogen sein.

Hatte man hin und wieder noch Zweifel, ob man der "Lügenpresse" noch Glauben schenken darf und ob es wirklich so ist, dass der Yeti lebt oder Atlantis irgendwo immer noch existiert, seit es das Internet gibt, wird einfach alles geglaubt.
Es reicht eine Überschrift - okay, das langt bei der Bild-Zeitung auch, um Emotionen zu schüren. Aber nie war es so schlimm wie heute.

"Lesen, glauben, aufregen und die Meinung Andersdenkender konsequent in Frage stellen" - und nur das Wort, das Bild oder der Film im Netz sind einzig wahr. Was da steht und gezeigt wird, ist die neue Bibel des Bürgers.

Da glaubt man den Geißens, wenn sie behaupten, je mehr Energie man verbraucht, desto mehr spare man. Man glaubt, dass fettarme Chips zur gesunden Ernährung gehören, man glaubt an die Schönheit der Stars, auch, wenn sie bis zur Unkenntlichkeit durch alle Fotobearbeitungsprogramme gejagt wurden.
Vor allem glaubt man allen Horrormeldungen, die die eigenen Ängste bestätigen - und dann finde ich sogar noch meine "Freunde im Netz", die der gleichen Ansicht sind. Wie schön, es gibt sie, die "Freunde, die mich verstehen".
Ist doch egal, ob es stimmt. Sie sind meiner Meinung. Das zählt. Wie jetzt? Ein Bild ist nur gefaked, der Bericht tendenziell oder gänzlich falsch und von irgendwem gezielt eingestellt worden? Nein, das kann nicht sein. Ich bin schließlich nicht doof, mir macht keiner ein X für ein U vor. Dem Bruno Dingenskirchen vielleicht, der in der Gruppe XYZ nur völlige, hirnlose Inkontinenz beweist. Vielleicht auch die Mona Tralala, die keinen Satz mit vier Wörtern auch nur ansatzweise fehlerfrei hingebogen bekommt und so sinnige Fragen stellt: "Wie lange der Supweg noch beim Supamaakt aufhat".
Ja, da mag das stimmen. Aber ich und meine Freunde bei FB und Co - wir ticken doch ganz anders. Und außerdem steht es da geschrieben. Ich kann es lesen, werten, verwerfen - aber erst einmal like ich das und warte auf die positiven Reaktionen meiner "Freunde".
Wahrheit ist die Sicht der Dinge, die ich für mich haben möchte. Warum sollte ich das hinterfragen und mein Leben verkomplizieren? Ich will mich ärgern, mich über die Schwachsinnigkeit anderer lustig machen, mich einreihen in den Mainstream - in die gleichgeschaltete Denke, die mir das Internet vorgibt. Was alle denken, muss doch richtig sein! Also, warum hinterfragen, wenn ein Mausklick es so einfach macht.

Erst wenn irgendjemand Gewinn aus dem Slogan "Selber denken ist in!" zieht, dann könnte es mit der richtigen und großangelegten Marketingstrategie klappen, dass Dinge wieder hinterfragt werden.

Unser Rat für Sie: Satire ist übrigens etwas, das man von Haus aus ablehnen sollte, denn die dort verbreiteten Wahrheiten sind nachweislich nicht wahr oder so hart an der Wahrheit, dass sie weh tun. Beides ist für den normalen Hausgebrauch zu schwer verdaulich.

peb

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