Oktoberfest

Oktoberfeste im Norden stoßen nicht immer auf Akzeptanz

(dfa) - In München ist es seit dem 17. September wieder soweit: Die Wiesn hat geöffnet und erwartet Millionen von Besuchern aus der ganzen Welt zum 183. Oktoberfest auf der Theresienwiese.

Eine Maß Bier kostet dort zwischen 10,40 und 10,70 Euro. (Eine Maß=1000 ml)

Schon längst ist das bayrische Schunkeln in andere Gegenden Deutschlands und der Welt hinübergeschwappt. In Nordfriesland kommt es erfahrungsgemäß immer etwas später an, wurde aber bislang tolerant geduldet. In etwa so, wie auch Dithmarscher bei Besuchen nördlich der Eider relativ unbehelligt bleiben.

In Zeiten grenzüberschreitender Zuwanderung kommt es jedoch inzwischen zu einem gedanklichen Umschwung. An Flüchtlinge und an Menschen mit Kopftüchern habe man sich gerade gewöhnt, aber dass im Herbst plötzlich in norddeutschen Geschäften immer mehr Dirndl nachgefragt werden, sei schon grenzwertig, hört man aus Kreisen eingefleischter, konservativer Nordfriesen immer mehr.

"Fehlt bloß noch, dass nun die Lederhosen-Tragepflicht eingeführt wird", so ein ungenannt bleiben wollender Sprecher des Nordfriesenflügels "Möwenkreis". "Wir wollen hier unsere Traditionen hochhalten. Eine anständige Tracht ist ja in Ordnung, aber wir haben von Föhr, Amrum über Eiderstedt hin zu vielen anderen Regionen selbst wundervolle Trachten zu bieten. Da brauchen wir keine Unterwanderung von außen. Dazu noch die Blasmusik und bayrisches Bier: ja, geht es noch?"

So wird bereits eine Obergrenze für Oktoberfest-Veranstaltungen und Dirndl-Trägerinnen in Nordfriesland gefordert. "Jedes Unternehmen, jedes Dorf, jeder Zeltbetreiber meint nun, mit einem billigen Abklatsch der Münchner Wiesn, Leute begeistern zu müssen, in schlimmen Fällen werden sie sogar - blau-weiße Fähnchen schwenkend - zum Schunkeln und Mitklatschen animiert, von einheimischen DJ's, denen man ein kariertes Hemd, eine Latzhose und einen Seppelhut vom Ein-Euro-Laden verpasst hat." Das Kufsteinlied kommt dann zu guter Letzt oder Helene Fischer donnert lautstark mit "Atemlos" durchs Zelt.

"Wir fordern eine Rückkehr zu den Wurzeln und eine Gleichbehandlung. Friesische Trachtenfeste müssen Vorrang haben vor der Überfremdung aus dem Süden. Plattdeutsch und Friesisch wollen wir hier hören und kein bayrisches, unverständliches Kauderwelsch.", heißt es abschließend.

"Mir san mir!" soll es also zukünftig nicht heißen, sondern "wi sünd wi!" Der Möwenkreis kann sich sonst vorstellen, einen ähnlichen Kampf anzuzetteln wie damals den zwischen Dithmarschern und Eiderstedtern. Die Nordfriesen verstehen langsam also bei der bayrischen Unterwanderung keinen Spaß mehr.

Nun gut, schaun mer mal....

peb

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